Einsamkeit

Du schließt die Tür deiner Wohnung auf. Heizungswärme schlägt dir entgegen. Sonst nur Stille, nichts als Stille.

Deine Freundin, nach einen Streit, wohl den letzten überhaupt, hast du sie zum Bahnhof gebracht. Zwei Tage eher als geplant. Kein letzter Kuss, keine letzte Umarmung.

Deine Wohnung wirkt öd und leer. Ruhelos gehst du durch alle Räume. Jeder hat ein andres Gesicht.

Die Luft im Schlafzimmer riecht nach Schweiß und Sex. Die Reste der Verhütung räumst du später weg. Wie, um dich zu verspotten steht im Bad noch ihr Deo auf den Beckenrand. Du hast es nie gern gerochen. Die Küche? Die Pizza auf den Boden, den Fleck an der Wand willst du nicht sehen. Du drehst dich weg. Auf den Weg ins Wohnzimmer fällst du über Scherben. Hast du die Tür zugeknallt? Der Wind war es wohl nicht. Für den Glaser ist es heut zu spät.

Dein Blick fällt auf den Ring an deiner Hand. Du ziehst ihn vom Finger, drehst ihn hin und her. Wie durch einen Nebel siehst Du den Namen deiner Freundin auf der Innenseite.

Der Ring gibt dir Hoffnung. Vielleicht kommt sie zurück? Hastig ziehst du dich an. Nichts hält dich auf. Der Weg zum Bahnhof, so lang schien er dir nie. Ganz außer Atem kommst du an. Der Zug fährt ein. Fassungslos starrst du auf die verschlossenen Türen. Der Ring, die letzte Hoffnung, zerbricht.

Einsamkeit, willkommen Zuhaus

Copyright By Thomas Löffler